Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn

 

 

 

 

 

 

 

 

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Freiburgs Geschichte in Zitaten

Karl Wilhelm Ludwig Friedrich
Freiherr Drais von Sauerbronn  (1755 -1830)

 

Die Familie Drais von Sauerbronn geht auf ein lothringisches Adelsgeschlecht zurück. Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts dienten sie der Markgrafschaft Baden und dem Fürstentum Ansbach. Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Drais Freiherr von Sauerbronn tritt 1777 in markgräflich badische Dienste. 1784 heiratet er die Freifrau Ernestine Christine von Kaltenthal. Ihr Sohn Karl Friedrich erblickt am 29. April 1785 das Licht der Welt und wird als der Erfinder des bekannten Vorläufers des Fahrrades weitaus berühmter als sein Vater.

 

Nach der vernichtenden Niederlage im 3. Koalitionskrieg bei Austerlitz amputiert 1805 Napoleon im Frieden von Pressburg das neue österreichische Kaiserreich Franz' I. beträchtlich. Die vorderösterreichischen Gebiete am Oberrhein kommen dabei an das nun zum Großherzogtum avancierte Baden. In Karlsruhe weiß man um die Anhänglichkeit der Breisgauer an das habsburgische Herrscherhaus und ist sich der heiklen Aufgabe, den katholischen Süden mit dem protestantischen Norden zu vereinen, bewusst. Zu Beginn des Jahres 1806 ist Freiburg von französischen Truppen unter General Monard besetzt, doch es residiert dort noch immer der Präsident der vorderösterreichischen erzherzoglichen Regierung Hermann von Greiffenegg. In diese delikate Umgebung schickt der Kurfürst und Großherzog Karl Friedrich einen seiner besten Leute, den Protestanten und würklichen Geheimen Rath und Hofkommissar Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Drais Freiherr von Sauerbronn. Ob seiner vortreffliche Beamteneigenschaften bald mit außerordentlichen Missionen betraut hatte er 1797 beim Rastatter Gesandtenkongress, auf dem in Anwesenheit Napoleons nach Preußen und Österreich auch eine Reichsdeputation der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich zugestimmt hatte, den schwierigen Posten eines Polizeidirektors bekleidet [Schl07].

 

Am 15. April 1806 übergibt General Jean Nicolas de Monard in einer feierlichen Zeremonie im Freiburger Münster den Breisgau an Hofkommissar von Drais. Dieser preist in seiner Rede den neuen badischen Landesherren und dessen Förderer: Der Stifter dieses möglichen größeren Glücks ist der Held des Zeitalters, Napoleon, zum ersten Gründer der Ausführung hat uns Gott den Kurfürsten Karl Friedrich noch aufbewahrt - den Landesvater und Biedermann, der seit 60 Jahren mit tugendhafter Mäßigung und mit menschenfreundlichen Anordnungen regiert [Albe06a].

 

Die neue badische Herrschaft betreibt die Übernahme des Breisgaus und seiner Hauptstadt zügig. Da schickt Freiburg eine Deputation mit Gesuchen zur Erhaltung alter Rechte nach Karlsruhe und macht darin das freywillige Anerbiethen, für den protestantischen Gottesdienst eine der dahiesigen Kirchen einzuräumen. Politisch klug setzt sich von Drais für die Freiburger Bitten in Karlsruhe ein und erreicht u. a den so wichtigen Fortbestand der katholischen Universität. Er kümmert sich persönlich um die Einrichtung einer evangelischen Pfarrkirche nebst Pfarr- und Schulgebäude. Nach langem Zögern lehnt von Drais' Wunschkandidat Johann Peter Hebel die Pfarrstelle ab, die endlich der erst 27-jährige Physiker! Gustav Friedrich Wucherer bekleidet.

 

Bereits im Herbst 1806 regt von Drais in Freiburg die Gründung einer Lesegesellschaft, einen Ort der Musen, der späteren Museumsgesellschaft, an. Er wird ihr erster Präsident und erläutert den Urstand der Freyburger Lesegesellschaft: Ein edles Bedürfniß des Geistes - eine Lesegesellschaft - war längste der Wunsch vieler Gebildeter in Freyburg und ich bin von mehreren Seiten veranlaßt worden, zur Realisierung vom neuen Jahr an beizuwirken ...

 

Von Drais schließt seine Ansprache anlässlich der Gründung der Freiburger Lesegesellschaft am 4. Januar 1807 mit den Worten: Wenn wir nun zu der schönen und fruchtbaren Natur dieses Landes noch städtische Freuden der Geselligkeit hinzutun - ist es Leichtsinn und Unglücke? Nein! Es ist vernünftiger Genuß unseres Glückes! [Albe07]. Der Gesellschaft gehören intellektuell und politisch führende Persönlichkeiten Freiburgs wie Oberbürgermeister Johann Joseph Adrians, der Regierungsrat und Hofrichter Freiherr Konrad von Andlaw, der Stadtdirektor Freiherr Karl von Baden, der Chirurgieprofessor Alexander Ecker, der Verleger Bartholomäus Herder, der Altphilologe und Theologe Leonard Hug, der Kapitelkanzler des Malteserordens Joseph Albert von Ittner, der Dichter Johann Georg Jacobi, der Historiker Karl von Rotteck, der Juraprofessor Johann Kaspar Ruef und später auch der Staatsrechtler Karl Theodor Welcker an. Unter den Gründern finden sich Mitglieder beider Konfessionen, und so darf man annehmen, dass von Drais die Lesegesellschaft auch als ein Mittel versteht, den überwiegend protestantischen Norden Badens mit dem weitgehend katholischen Süden, wie Jacobi es ausdrückt, zu vermählen.

 

Während der napoleonischen Zeit richtet man sich in Freiburg mit der neuen badischen Herrschaft ein, doch nach der Befreiung vom französischen Joch in der Restauration ab 1813 bricht die Anhänglichkeit der österreichischen Vorlande an das Habsburger Herrscherhaus von Neuem hervor. Die Mehrheit der Bevölkerung hofft, dass der Kaiser den Breisgau wieder an sich ziehen möge. Doch von Drais hatte schon 1806 die Zähringer Abstammung des Badener Herrscherhauses beschworen und die folgende Sprachregelung ausgegeben: Die Politik hat hier wieder vereinigt, was auch in früheren Zeiten schon unter den Etikoen und Bertholden glücklich verbunden war. In der That ist es ein freundlicher historischer Wink, daß dieses schöne Land, unter allen Wechseln und Stürmen der Zeit, von seinem ältesten Regenten-Stamm untrennbar geblieben ist. Nachdem die Herzöge von Zähringen ausgestorben waren, wurde es von deren Nachkommen, den Markgrafen von Hochberg, nachmals von dem österreichischen Erzhaus, welches gleichfalls vom Etiko stammet, beherrscht, und fällt nun wieder an die Enkel der Zähringer zurück. Der Wiener Kongress entscheidet in diesem Sinne. Damit ist die Diskussion über die Zugehörigkeit des Breisgaus aber nicht beendet und von Drais beteiligt sich aktiv an dem publizistischen Streit mit einer Schrift: Über den Besitz der badischen Rheinpfalz und des Breisgaues.

 

Bereits 1808 verlässt von Drais Sauerbronn Freiburg, als er zum Oberhofrichter am höchsten Gerichtshof Badens in Bruchsal bestellt wird. Seine Vergangenheit aber lässt ihn nicht los und so veröffentlicht er in Karlsruhe 1818 eine fleißige, gründliche und lichtvolle Arbeit in zwei Bänden: Geschichte der Regierung und Bildung von Baden unter Karl Friedrich. Im Jahre 1830 stirbt von Drais in Bruchsal. 

This page was last updated on 06 Januar, 2014